Bern ist überall Manifest

Unsere Sprache ist Überall. Unsere Sprache heisst Überall. Wir sprechen Überall. Wir schreiben Überall.

Überall ist unsere Sprache, die uns nicht gehört. Wir haben sie uns angeeignet, um durch sie zugehörig zu werden. Es gibt keine eigenen und fremden Sprachen. Alle Sprachen sind Fremdsprachen.

Überall wird hier und heute gesprochen. Wir bekennen uns zum Hier und Heute. Wir bekennen uns zum Überall. Hier und heute kann überall sein. Im Gebrauch des Überall erkennen wir die Bedeutung des Hier und Heute übers Hier und Heute hinaus. Überall kann auch woanders verstanden werden.

Hier und heute werden viele Sprachen gesprochen. Überall ist eine Sprache. Wo gesprochen wird, wird in vielen Sprachen gesprochen. Sprachen schliessen sich nicht aus. Sie weisen aufeinander hin. Sie bedingen sich. In unseren Köpfen ist Platz für viele Sprachen. Sprachen haben Platz. Sie nehmen sich nichts weg. Sie fügen hinzu.

Wir schreiben Überall, auch wenn es gemeinhin gesprochen wird. Wir schreiben es, wie es nicht gesprochen wird. Wir schreiben es selbstbewusst: Wie wir hören und hören wollen. Wir bringen Überall zu Gehör. Wir bringen es zu Papier, um zum Hören zu bringen. Es klingt. Überall hat Rhythmus, Klang und Farbe. Es klingt nicht besser als andere Sprachen. Sprachen klingen, wenn sie zum Klingen gebracht werden. Es ist das Wesen der Sprachen, dass sie klingen. Sprachen entfalten sich im Mund.

Im Überall hinterlässt die Welt ihre Spuren. Sie erzählt von Macht und Missbrauch, der Instrumentalisierung von Sprache. Sprache eignet sich schlecht als Mittel zum Zweck. Sie gibt mehr preis als dem Zweck lieb ist. Sie eignet sich auch schlecht zur Kommunikation. Sie schafft mehr Missverständnisse als sie ausräumt. Es lohnt sich, auf sie zu hören.

Überall wird unterschätzt. Es wird unterschätzt, weil es gemeinhin nicht geschrieben wird. Als wäre das Wesen der Sprachen geschrieben zu werden. Wir schreiben Überall. Wir schreiben es, weil es sich für alle Formen sprachlichen Ausdrucks eignet. Weil sich Literatur oral, überall, hier und jetzt ereignet. Weil hier die Welt der Sprache zur Sprachwelt wird. Wir stellen Überall den geschriebenen Sprachen gleich. Es gibt keine hohen und niederen Sprachen. In allen Sprachen ist Höhe und Tiefe. In allen Sprachen klingt die ganze Welt mit. Jede Sprache ist eine Brücke in die Welt.

Wir fordern die Gleichstellung aller Sprachen. Wir fordern die Förderung des Überall auf allen Ebenen. Wir fordern die Förderung der Sprachkompetenz in einem umfassenden Sinn: Sprache ist hier und jetzt. Sprache ist überall.